Das poröse Nicht-Klassenzimmer im Haus der Kulturen der Welt

Das poröse Nicht-Klassenzimmer im Haus der Kulturen der Welt
Lehr- und Lernformate ziehen zunehmend in die Institutionen der zeitgenössischen Kunst ein. Im dreijährigen Projekt Das Neue Alphabet erprobt nun auch das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin Schulformate. Die Autorin folgt den Interventionen und Reflexionen der drei geladenen Beobachterinnen*, um die (Un-)Möglichkeiten des porösen Nicht-Klassenzimmers und neuer Alphabete schlaglichtartig abzutasten.

Objects in the Sky

Objects in the Sky
In recent tales of science fiction, large-scale objects silently hover above cities or in earth’s orbit. There has been an increase in the representation of such objects after the 2007–08 financial crisis. This essay traces a partial history of such objects and speculates on what their representation might mean with regards to the most recent financial crisis, the international political economy (IPE) and the human psyche.

Stalins neue Kunstschüler?

Stalins neue Kunstschüler?
Als «Kunststalinisten» und «Stalins neue Kunstschüler» beschimpft der Kulturpublizist Daniel Haas jüngst Künstlerkollektive wie das Zentrum für Politische Schönheit in der Neuen Zürcher Zeitung. Ein Kommentar dazu, wie bürgerliche Kunstkritik politische Aktionskunst zu diffamieren versucht.

Les Urbaines

07–09 December 2018

Les Urbaines
Imagine a biennial or other kind of art festival featuring just a single work. Unthinkable? Curator and critic Julia Moritz flexes your thinking muscles in her «Pick a Piece» series of experimental reviews by attempting to capture a large-scale group exhibition through the lens of only one of its artworks – not necessarily the ‹best› one, mind you, but the work best suited for pointing towards the overall aim of the overarching context. For this third review, the project that structurally and repeatedly overwhelms viewers (in all the best ways) and that Moritz seeks to unpack through subjective selectivity is this year’s edition of Les Urbaines, the annual performance art festival in Lausanne.

Tobias Kaspars Unabhängigkeit

Tobias Kaspars Unabhängigkeit
Es gibt viele Geschichten, die sich um anonyme Autorschaft ranken, historisch überwiegen jene Fälle, die nicht wirklich freiwillig waren. Zum Beispiel wenn bestimmte Namen bestimmte Identitäten offenbarten, die politisch verfolgt wurden, oder wenn überraschenderweise eine Frau ein gutes Buch geschrieben hatte. Falls diese doch namentlich auftauchte, kam dem Vorwort des Herausgebers die Bedeutung zu, den moralischen Nutzen zu betonen, damit nicht der Eindruck entstand, die Autorin hätte einfach nur aus Lust gehandelt. Dass die Ausstellung Independence in der Kunsthalle Bern, die ohne Autor/in auftaucht, jenseits solcher Konflikte von Legitimation agiert, wird vorausgeschickt. Nicht nur der Presstext, auch die ausgestellten Arbeiten verraten ein Interesse für genau die Abweichungen von gängigen Formaten, wie sie sich in ästhetischen Experimenten mit Autor/innenschaft häufig versteckt haben.

Von den Gespenstern der Institutionskritik

Von den Gespenstern der Institutionskritik
Institutionskritik heute? Von den Gespenstern des Museums – das war der Titel einer Diskussion mit Beate Söntgen von der Graphischen Sammlung der ETH im Rahmen einer Einzelausstellung vom Künstler/innen-Duo RELAX (Marie-Antoinette Chiarenza und Daniel Hauser). An diese Diskussion anknüpfend, fragt das anschliessende Gespräch nach den institutionskritischen Perspektiven in der Kunstkritik heute: Inwiefern sind institutionskritische Ansätze in der zeitgenössischen Kunstkritik produktiv? Wo liegen die Potentiale und wo die Schwierigkeiten solcher Ansätze? Beate Söntgen plädiert dafür, die Kunst wieder positiv zu bestimmen, und sieht vor allem in Beispielen jenseits eines von der Aufklärung geprägten Kritik-Begriffs eine vielversprechende Perspektive für die Kunstkritik.

陰府 (Shady Mansion)

AMY LIEN, ENZO CAMACHO

陰府 (Shady Mansion)
To some, there’s darkness, to others, there is light. To Amy Lien & Enzo Camacho, there is shadow. 陰府(Shady Mansion), their first institutional solo exhibition in the German-speaking countries presented at Kunstverein Freiburg (September 14 – October 28, 2018), unpacks a startling array of shadowy business, spirituality, sites, aesthetics and the related politics. Julia Moritz disentangles those threads for the purpose of reviewing the show, and re-entangles them for the sake of a fresh look across the border.

Gemischte Ökonomien

Gemischte Ökonomien
Relativ hartnäckig bezieht sich der Begriff der «Ökonomie» im Feld der bildenden Kunst auf die Relation von Kunst und ökonomischem Kapital. Der folgende Beitrag tritt für ein erweitertes Verständnis von Ökonomie im Kunstfeld ein, das soziale Relationen und die mit ihnen verbundenen Möglichkeiten und Probleme im Hinblick auf Printmedien berücksichtigt.

Three Versions of Public

Three Versions of Public
Three city-center public art projects took place in Basel and Zürich this summer, each notionally offering public gathering places. A comparison of the three reveals that dividing public and private interests is difficult, while the public itself remains an indistinct collective. This is a context in which riffing on that vagueness might be an effective strategy.

Anonymity.

An Essay in Three Parts. III.

Anonymity.
In the two previous parts to this essay, we looked a little at the history of anonymous writing in general, and then at some interesting cases of anonymous writing about art. One of the questions that we asked was: Is it imaginable that collective anonymity could serve as the basis of a revival of critical writing? Collective anonymity was certainly a feature of both art making and critical practice in the 1960s and 1970s—and some managed to do both.  

Portable Landscapes

Portable Landscapes
A conversation between Inga Lāce and Àngels Miralda about de-territorializing identity through cultural production in the context of Latvia's centennial celebrations. The exhibition Portable Landscapes was on view at the Latvian National Museum of Art in Riga earlier this year, is shown currently in Gotland and will subsequently travel to Berlin and New York. The exhibition aims to engage in a dialogue with the centennial of independence cultural program commissioned in all three Baltic states while revealing new research into artistic exile and émigré Latvian communities.

Neuerfindung einer Notwendigkeit

«Atlas of Commoning: Orte des Gemeinschaffens» im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien (Berlin)

Neuerfindung einer Notwendigkeit
Berlin im August. Die gefühlten Aussentemperaturen liegen bei 40 Grad. Ich sitze zwischen Umzugskisten aus den Untiefen der Vergangenheit. 20 Jahre Geschichte(n) ungefähr. Es gilt, das Berliner Domizil aufzulösen. Endgültig. Es gibt Angenehmeres ... Als ich Ende der 90er Jahre hierherziehe, gehören Umziehen und Kistenpacken zum guten Ton. Man wälzt sich so durch die Stadt und Wohngemeinschaften. Eine grosse, gemeinschaftliche Karawane bis oben hin vollgestopfter Robben&Wintjes-Karren. Moabit, Friedrichshain, Kreuzberg 61. Schliesslich lande ich in Berlin-Prenzlauerberg – hipp, hipp, hurra, mit der Hoffnung auf ein ewig junges, cooles und urbanes Leben.

2018 SUMMER SEASON: BALERMIN

2018 SUMMER SEASON: BALERMIN
Is it possible to grasp a large-scale group exhibition based on a single artwork? This is the question posed by curator and critic Julia Moritz in her series of experimental reviews titled «Pick a Piece.» To Moritz, responding to the mushrooming of mega-exhibitions with the sturdy format of the art review means radical choice: to (en)counter the explosion of exhibitions with the implosion of inspection, with the selection of just one piece – this time from this summer’s art fairs and biennials in Basel, Palermo, and Berlin.

Oh, Griechenland!

Eine Korrespondenz

Oh, Griechenland!
Als wir in Zürich ankamen, hatten wir uns schnell verlaufen. Irgendwann landeten wir in einem Café, konnten dem Ober dort allerdings weder mit Worten noch mit Handzeichen klarmachen, welchen Kuchen wir gerne hätten. Was bedeutete das wohl für das bevorstehende Wochenende? Vor uns lagen drei Tage mit Workshops, Gesprächen und Diskussionen, in denen wir uns für einen geplanten Brand-New-Life-Schwerpunkt fragen wollten, wie wir am liebsten arbeiten würden. Eigentlich sollten wir schon längst die übrige Gruppe treffen, irrten aber wir immer noch im kalten Zürich umher. Als wir schließlich am vereinbarten Ort eintrafen, waren wir froh, dort Hannes zu entdecken – wenigstens ein vertrautes Gesicht. Wir stiegen in den riesigen „Sportbus 2“, der uns nach Bern zu einer Ausstellungseröffnung bringen sollte. Auf der Fahrt wurde kaum geredet (wenigstens wir saßen schweigend auf unseren Plätzen, in der Reihe hinter uns unterhielt man sich angeregt über traditionelle griechische Gerichte). Wir schauten aus dem Fenster, in die vorbeirasende Landschaft. Unterbrochen wurde der Traumzustand nur durch Judith oder Lucie, die hin und wieder die voraussichtliche Ankunftszeit in Bern ansagten. Draußen war es sehr dunkel. Irgendwer hatte Geburtstag. Bei der Ausstellungseröffnung rätselten wir, ob für die Menschen in der Schweiz „Getränke frei“ etwas anderes bedeutet, weil Getränke dort so teuer sind. Während wir dies schreiben, fällt der einen von uns wieder Nicole Wermers Stuhl ein, über dessen Rücklehne eine Pelzjacke gehängt war – greifbare Abwesenheit. Ein wenig später war ihre Arbeit in Hamburg zu sehen, aber erst jetzt erschließt sich der Zusammenhang zwischen den beiden Erinnerungen. Das Abendessen war ausgezeichnet, jemand sprach sehr laut, und nach einigen Gläsern Wein waren wir recht entspannt. Trotzdem waren wir erleichtert, als der Bus gegen elf in Richtung Glarus abfuhr. Dort logierten wir zu zweit in einer Wohnung mit Bergblick. Das Wetter war trüb. Nach dem Arbeitswochenende machten wir mit der ganzen Gruppe eine Tour zu einem der Berge um Glarus. Einige von uns wollten zu Fuß hinaufgehen, allerdings hatte es so stark geschneit, dass wir schließlich ein Taxi riefen und nur die letzten zehn Minuten liefen. Kurz vor dem Mittagessen standen wir oben auf dem Berg, wurden zu Rückenfiguren in wechselnden Formationen. Auf der Zugfahrt nach Zürich und zum Flughafen überlegten wir, wie unser gemeinsamer Text aussehen sollte. Die nächsten zwei Monate würden wir beide durch verschiedene Städte reisen, würden uns eine ganze Weile nicht sehen. Vielleicht wären also Postkarten ganz schön? Der Austausch, den wir alle unbedingt wach halten wollten, ist schon vor einiger Zeit eingeschlafen. Wir hatten sogar überlegt, zusammen nach Griechenland zu fahren. Große Pläne, im Alltag verpufft. Unterschiedliche Prioritäten. Von Nostalgie keine Spur, nur das Leben.

Anonymity.

An Essay in Three Parts. II.

Anonymity.

All of this is a prelude to an open question about art writing. A kind of consensus has formed that art criticism should not be anonymous. It is a widely held view that any critic who picks up a pen under an assumed name does so with malicious intent. And actually, this is often true, because there are many rewards for writing well about people in the art world, and relatively few for writing cruelly about them. At the same time, it’s often more fun to read something hostile than it is to read something positive.

10. Berlin Biennale

unaufgeregt, konzentriert, entschlossen

10. Berlin Biennale
Die Berlin Biennale trägt dem im Titel We don’t need another hero angedeuteten Vorhaben durchaus Rechnung: Es ist eine ebenso entschlossene, wie mit selbstverständlicher Entspanntheit vorgetragene Skepsis gegenüber grossen Gesten.

Anonymity.

An Essay in Three Parts. I.

Anonymity.
«Criticality» is important in the art world, maybe even indispensable. «Criticism», not so much. The days in which a Clement Greenberg could canonize or curse an artist's career are long gone. Could it be that it's time for journals to go back to publishing anonymous criticism?

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